Die Programmiersprache Ruby

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Vermutlich bist du schon voller Energie und Elan und kannst es kaum erwarten anzufangen, aber da gibt es noch eine Kleinigkeit, die du erledigen musst, bevor du tatsächlich dein Abenteuer beginnen kannst: Du musst Ruby installieren. Was hier jetzt so lapidar dahergesagt ist, kann durchaus zu einer anspruchsvollen Aufgabe heranwachsen, je nachdem, wie du dich mit deinem System auskennst.
Ein Hinweis noch zu den Eingaben im Terminal oder in die Eingabeaufforderung: Das $-Zeichen am Anfang einer Eingabe meint, dass das betreffende Kommando mit Benutzerrechten auszuführen ist, ein # erfordert Root-Rechte. Auf Windows können diese Angaben weitestgehend ignoriert werden; solltest du Probleme mit einem Befehl haben, probiere, die Eingabeaufforderung oder den MSYS-Prompt als Administrator (ab Vista per Rechtsklick anwählbar) auszuführen und dann deinen Befehl einzugeben. Die Eingabeaufforderung findest du unter Start -> Alle Programme -> Zubehör -> Eingabeaufforderung, eine Verknüpfung zum MSYS-Prompt wird bei der Installation von MSYS auf dem Desktop und/oder im Startmenü angelegt.
Um sich die Tipparbeit der Wortkette »Terminal, Konsole, Shell, Eingabeaufforderung oder andere Kommandozeile« zu sparen, steht in diesem Tutorial jeder dieser Ausdrücke für jede Kommandozeile.

Inhaltsverzeichnis

Welches Ruby ist das richtige für mich?

Vielleicht hast du davon gehört, dass es verschiedene Ruby-Interpreter gibt. Moment - was ist denn jetzt schon wieder ein Interpreter? Ein Interpreter ist ein Programm, dass Sourcecode (also das, was du schreibst) analysiert, und, wie der Name ja schon vermuten lässt, interpretiert. Das läuft darauf hinaus, dass du eine Quellcodedatei anlegst und sie durch den Ruby-Interpreter ausführen lässt. Der Gegenpart zum Interpreter ist der sogenannte Compiler. Darunter versteht man ein Programm, das deinen Quelltext wie auch der Interpreter analysiert, dann jedoch, und dies ist der gravierende Unterschied, nicht ausführt, sondern in Maschinensprache übersetzt und somit eine sogenannte plattformspezifische Executable erstellt. Dies ist mit Ruby somit nicht direkt möglich, derjenige, der ein Ruby-Programm ausführen möchte, muss demnach den Ruby-Interpreter installiert haben. Bevor sich jetzt sämtliche Windows-Nutzer enttäuscht abwenden und sagen: »Das kann man doch niemandem zumuten« möchten wir darauf hinweisen, dass es ein Gem (auf die Installation solcher kommen wir später zu sprechen) namens OCRA gibt, welches in der Lage ist, auch aus Ruby-Programmen Windows-Executables zu erstellen. Ihr könnt also getrost aufatmen und die Vorteile von Ruby genießen.
Soweit der Exkurs zu Interpretern und Compilern. Die verschiedenen Ruby-Interpreter sind:

  • MRI (»Matz' Ruby-Interpreter«): Sozusagen das »Original-Ruby«, der Interpreter, der vom Core-Team um Matz gepflegt wird.
  • JRuby: Dieser Ruby-Interpreter ermöglicht die Interaktion mit Javaklassen.
  • IronRuby: Dieser Ruby-Interpreter zielt auf gute Verwendbarkeit mit dem .NET-Framework.
  • Rubinius: Dieser hier ist darauf ausgelegt, selbst im Core fast ausschließlich in purem Ruby geschrieben zu sein.

Neben diesen »Großen« gibt es sicherlich noch diverse kleinere, welche andere Spezialgebiete abdecken. Dieses Tutorial wird sich mit dem MRI sowohl in der Version 1.8 als auch in der Version 1.9 beschäftigen. Sofern nicht anders angemerkt, laufen die gegebenen Codebeispiele mit beiden Versionen.

Woher bekomme ich Ruby?

Die offizielle Website der Programmiersprache ist http://www.ruby-lang.org. Dort findest du im »Download«-Bereich immer die Quellen der aktuellen Ruby-Version und in der Regel auch vorkompilierte Pakete für Windows. Da der sogenannte OCI, der One-Click Installer für Ruby, leider nicht mehr auf dem aktuellen Stand ist, sondern sich komplett reformiert und dann unter dem Namen RubyInstaller (http://www.rubyinstaller.org) für die MinGW-Version von Ruby veröffentlicht werden wird, befindet sich Ruby für Windows momentan in der Schwebe. Der aktuelle Installer bietet nicht mehr die aktuelle Version, der neue ist jedoch noch nicht erschienen. Glücklicherweise bietet das RubyInstaller-Team aber eine Art Übergangsversion an, mit der sich problemlos arbeiten lässt (siehe dazu weiter unten). Für viele unixoide Betriebssysteme ist Ruby als Paket mit dem Namen »ruby1.8« und »ruby1.9« verfügbar; benutze einen Paket-Manager deiner Wahl, um das Paket zu installieren. Findest du für dich keine vorkompilierte Version und auch keinen Installer, musst du dir Ruby selbst kompilieren. Dazu downloadest du dir die aktuellen Ruby-Quellen von http://www.ruby-lang.org, entpackst das Archiv und führt die folgenden Schritte in einem Terminal deiner Wahl aus:

$ ./configure
$ make
# make install

Was denn nun? 1.8 oder 1.9?

Diese Entscheidung kann dir keiner abnehmen. 1.9 ist zwar die aktuellste Version des MRI und zielt darauf ab, zur späteren Version 2 überzuführen, jedoch wird die 1.8er-Reihe ebenfalls weitergepflegt. 1.9 bietet umfangreiche M17N-Unterstützung (d.h. sehr gute String-Bearbeitungsmöglichkeiten), wohingegen 1.8 (noch) die größere Gem-Kompatibilität erzielt (also den Gebrauch von mehr externen Programmbibliotheken erlaubt). Daneben gibt es noch viele andere Gesichtspunkte, die für die eine oder andere Ruby-Version sprechen, hier jedoch alle zu erläutern führt über den Rahmen eines Tutorials. Momentan ist es vermutlich einfach eine Geschmacksfrage für dich - such dir eins aus.

Liste von Ruby-Installationsbefehlen

Diese Liste möchte dir einen Überblick geben, wie du am leichtesten Ruby auf deinem System installierst. Ergänze sie bitte, wenn du weitere Befehle kennst.

  • Linux Ubuntu: sudo apt-get install ruby1.9

Windows

  1. Downloade die aktuelle MinGW-Version (5.1.6): http://sourceforge.net/projects/mingw/files/Automated%20MinGW%20Installer/MinGW%205.1.6/MinGW-5.1.6.exe/download
  2. Installiere MinGW irgendwo, z.B. in C:\MinGW
  3. Downloade die aktuelle MSYS-Version (1.0.11): http://sourceforge.net/projects/mingw/files/MSYS%20Base%20System/Current%20Release_%20MSYS-1.0.11/MSYS-1.0.11.exe/download
  4. Installiere MSYS irgendwo, z.B. in C:\MSYS. Beantworte die Post-Install-Fragen korrekt (minimale Englisch-Kenntnisse erforderlich).
  5. Downloade Ruby 1.9: http://rubyforge.org/frs/download.php/62269/ruby-1.9.1-p243-i386-mingw32.7z
    - ODER -
    Downloade Ruby 1.8: http://rubyforge.org/frs/download.php/62267/ruby-1.8.6-p383-i386-mingw32.7z
  6. Downloade und installiere 7-Zip wenn du keinen .7z-Dekomprimierer hast: http://downloads.sourceforge.net/sevenzip/7z465.exe
  7. Entpacke Ruby in einen Ordner, in dem es dauerhaft bleiben kann, z.B. C:\ruby.
  8. Füge den bin-Unterordner zu deiner Umgebungsvariablen »Path« hinzu: Systemsteuerung -> System -> Erweitert -> Umgebungsvariablen. An diesem Punkt musst du dich entscheiden, ob alle PC-Benutzer oder nur du Ruby benutzen können sollen. Wenn du Ruby für alle verfügbar machen möchtest, editiere im unteren Teil des Fensters (Bereich »Systemvariablen«) die Variable »Path« und hänge »;C:\ruby\bin« (ersetze das mit deinem Ruby-Installationsort, achte auf das Semikolon ; am Anfang!, die Anführungszeichen » und « gehören natürlich nicht dazu) an sie an. Möchtest du Ruby nur für dich, editiere im oberen Teil des Fensters die Variable "Path" (oder erstelle sie, falls sie nicht vorhanden ist) und trage dort dein Ruby-bin-Verzeichnis ein (ist dein Eintrag der erste, brauchst du kein Semikolon an den Anfang setzen).
  9. Fertig.

Womit bearbeite ich den Quellcode?

Theoretisch kannst du den Quellcode von Rubyprogrammen mit jedem Texteditor bearbeiten, denn nichts anderes ist Ruby-Quellcode: Text. Praktisch ist es aber meist besser, einen Programmier-Editor zu verwenden. Für den Anfang reicht es, einen relativ kompletten Editor wie SciTE (http://www.scintilla.org/SciTE.html) zu verwenden (SciTE gibt es für Linux und Windows, ist kostenfrei), später kann man dann zu anspruchsvolleren Editoren wie dem als exzellent angesehen TextMate für Mac wechseln.

Ist das jetzt richtig installiert?

Um herauszufinden, ob dein Ruby richtig installiert ist, öffnest du ein Terminal oder unter Windows die Eingabeaufforderung und gibst dort ein:

$ ruby -v

Das Ergebnis sollte etwa so aussehen:

ruby 1.9.1p243 (2009-07-16 revision 24175) [i686-linux]

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